Aus erster Hand beim Geschäftsführer und technischen Leiter des Abwasserverbandes Gelnhausen,
Peter Fuchs, informierte sich die Bürgerliste / Freie Wählergemeinschaft Linsengericht über die
kommunale Abwasserentsorgung bei einem Rundgang auf dem Gelände der Kläranlage in Gründau.
Fuchs erläuterte in der Leitwarte zunächst den Einzugsbereich der Verbandskläranlage, der alle
Gründauer und Linsengerichter Ortsteile, sowie alle Gelnhäuser Stadtteile außer Hailer und Meerholz
umfasst und die im Jahr 1979 für 1 Million D-Mark gebaut wurde. Der Verband der drei Kommunen
selbst besteht bereits seit 1972. „Wir haben also schon interkommunale Zusammenarbeit betrieben,
als Andere noch gar nicht wussten, was das ist“, so Fuchs mit einem Augenzwinkern. Ein Großteil des
Abwassernetzes und somit auch der Investitionen des Verbandes liege naturgemäß unterirdisch in
großen Sammlerbauwerken und dem umfangreichen Leitungsnetz, welches das verunreinigte Wasser
teilweise über viele Kilometer durchs mittlere Kinzigtal nach Gründau-Lieblos bringt.
Anhand der technischen Schaubilder in der Leitwarte erläuterte der Fachmann und langjährige
Mitarbeiter des Abwasserverbandes den heimischen Freien Wählern zunächst in der Theorie den
Weg, den unser aller Schmutzwasser durch die verschiedensten Reinigungsprozesse wie Rechen,
Sandfang, Vorklärbecken, Belebungsbecken und Nachklärbecken in der Kläranlage nimmt. Diese gibt
danach schließlich jährlich die beeindruckende Menge von ca. 3,5 bis 4 Millionen Kubikmeter
hochgereinigtes, also mechanisch, biologisch und chemisch gereinigtes Wasser in die Kinzig ab.
„Anschließend überzeugten wir uns bei einem Rundgang davon, dass dies auch in der Praxis
hervorragend funktioniert“, so BGL-Vorsitzender Heinz Breitenbach, der auch Mitglied der
Verbandsversammlung des Abwasserverbandes ist.
Besonders überzeugte die Linsengerichter Besucher die Philosophie des Teams um Peter Fuchs, die
Technik überall dort, wo es nötig ist, kontinuierlich durch neue Investitionen zu erweitern und zu
optimieren, im laufenden Betrieb die nötigen Austauscharbeiten immer mit entsprechendem Blick in
die Zukunft vorzunehmen und dies zu möglichst geringen finanziellen Belastungen der Steuerzahler
in den drei Mitgliedskommunen. Auch für verschiedenste Innovationen war und ist der
Abwasserverband immer offen und so wird aktuell eine Testanlage vor Ort betrieben, die auch
Mikroplastik und Medikamentenrückstände aus dem Wasser filtern soll, die in der Presse oft
geforderte 4. Abwasserreinigungsstufe, um künftig noch strengere gesetzliche Standards im
Gewässer- und Umweltschutz erfüllen zu können.
Die Gründauer Kläranlage wird von nur 9 Abwasserfachkräften, davon auch einer Frau betrieben und
ist für 65.000 sogenannte Einwohnergleichwerte, also die Summe der Einwohner der
angeschlossenen Ortschaften sowie die dort ansässigen Firmen und Betriebe aller Art, ausgelegt.
„Besonders beeindruckte mich, dass das im Faulturm erzeugte sogenannte „Klärgas“ direkt vor Ort in
einem Blockheizkraftwerk der Energieerzeugung dient, sodass die Kläranlage große Mengen ihres für
die Pumpen, Belüftungsanlagen und andere Verbraucher benötigten Stromes selbst erzeugt, dabei
auch die gleichzeitig erzeugte Wärme im Faulbehälter effizient nutzt und somit zu einem großen Teil
energieautark ist“, so BGL-Pressewart Sebastian Dein.

Ein eigener Gasometer, also ein großer Gastank, rundet dieses Konzept ab, sodass die Gasfackel der
Kläranlage, bei der früher überschüssige Gasmengen abgefackelt wurden, seit nunmehr 10 Jahren
kaum noch brennt und auch der Erdgasbezug der Kläranlage deutlich gesunken ist: „Früher hat mich
die Polizei einmal aus dem Bett geholt, weil die Meldung eingegangen war, dass die Kläranlage
brennt, was sich aber nur als die Gasfackel im Nebel des Kinzigtales herausstellte, aber das passiert
heute kaum noch“, so Peter Fuchs lachend.
Heinz Breitenbach dankte dem Geschäftsführer und Abwasserexperten am Ende des
hochinteressanten Besuches für seine Zeit, die spannenden und unterhaltsamen Erläuterungen sowie
die geduldige Beantwortung verschiedenster Fragen und kündigte an, für den nächsten Tag der
offenen Tür auf der Kläranlage noch viele weitere Linsengerichter Bürgerinnen und Bürger zu einem
Besuch zu motivieren.

Von links: Wilfried Straub, Rainer Gerst, Hans-Gerd Adler, Gisela Bohlender, Jürgen Röscher,
Peter Fuchs und Dirk Seybold